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Artikel » Bildung Übersetzen ist einfach? Mensch gegen Maschine. | Gibt man den kurzen Satz „Traduire, c’est facile“ (Übersetzen ist einfach) in ein automatisches Übersetzungstool im Internet ein, so erhält man die deutsche Übersetzung „Übersetzen ist es einfach“. Daraus lässt sich zwar ungefähr erahnen, was damit gemeint ist, aber der Satz ist leider im Deutschen falsch und ergibt eigentlich keinen Sinn. Schon dieses ganz kurze Beispiel zeigt, dass menschliche, und daher eigenständig denkende Übersetzer für eine gute Übersetzung unabdinglich sind: Sprache ist eine hochkomplexe Angelegenheit und lässt sich nun einmal nicht formelhaft in isolierte Wörter zerkleinern und einfach eins-zu-eins übertragen. Aber auch diejenigen, die sich lieber auf ihre mühsam erworbene Sprachkompetenz verlassen, führt die Sprache manchmal in die Irre: am deutlichsten- und diese Situation kennen alle, die eine Fremdsprache sprechen und erlernt haben – wird dies an den sogenannten ‚falschen Freunden’, den ‚faux amis’ oder ‚false friends’, die einen in bestimmten Lebens- und Arbeitssituationen manchmal in peinliche Situationen bringen und komische bzw. ärgerliche Missverständnisse verursachen können. Möchten Sie zum Beispiel einen Termin mit Ihrem französischen Geschäftspartner vereinbaren, wären Sie vielleicht dazu verleitet, ihn zu fragen: „Peut-on terminer le rendez-vous“? Nur leider würde er Sie wahrscheinlich etwas bestürzt anblicken, denn ‚terminer’ heißt nicht etwa wie im Deutschen ‚terminieren’ sondern ‚beenden’. Sie würden ihn also bitten, Ihren Termin zu beenden. Bei der Wohnungssuche in Paris würden Sie ebenso unangenehm überrascht sein, wenn Ihnen der Makler statt der gewünschten schicken Maisonette-Wohnung in Zentrumslage plötzlich ein kleines Häuschen in der weit entfernten Vorstadt präsentieren würde – in der Tat ist ‚maisonnette’ im Französischen einfach nur die Verkleinerungsform von ‚Maison’ (‚Haus’), also ein ‚Häuschen’. Auch dem Bäcker würde es wahrscheinlich die Sprache verschlagen, wenn Sie bei ihm ein ’baiser’, also einen Kuss bestellen; auch wenn ‚baiser’ romantisch-französisch klingen mag: ist der französische Begriff für diese Leckerei ist ‚Meringue’. All diese Sprachfallen begegnen auch einem Übersetzer tagtäglich, nur sollte er sie aufgrund seiner speziellen Ausbildung und Erfahrung souverän meistern. Er muss ein Gespür dafür entwickeln, wann eine wörtliche Übersetzung möglich ist und wann nicht und das geht meistens nur, wenn er auch in seine eigene Muttersprache übersetzt. Nur dann kann er sagen, ob sich der Text auch wirklich ‚deutsch’, ‚französisch’, ‚chinesisch’ etc. anhört oder ob er befremdlich, völlig absurd oder unfreiwillig komisch ist und somit die ursprüngliche Aussage etwa eines Verbotsschilds oder einer Vertragsfloskel komplett untergräbt. Sicher haben Sie sich als Tourist in fremdsprachigen Ländern auch schon oft über mehr schlecht als recht übersetzte Hinweisschilder, Menükarten, Auskunftstafeln oder Ähnliches sehr herzlich amüsiert. So konnten die deutschen Besucher Nizzas auf einem Hinweisschild lesen: ‚Autofahrer, halten Sie ihren Triebwagen an’ (gemeint waren die Busfahrer, die gebeten wurden, den Motor abzuschalten). Auch hat folgende Warnung bei den Urlaubern auf Korsika wohl eher für Belustigung gesorgt: ‚Durch geschütteltes Meer nicht überwachtes gefährliches Baden’. (das ‚geschüttelte Meer’ ist eine sehr anschauliche Übersetzung für einen hohen Seegang) . All diese Beispiele haben wahrscheinlich schon etliche Male zur guten Laune beigetragen und meistens sind ja derartige Übersetzungspannen einfach nur komisch, manchmal jedoch, wie zum Beispiel bei Gebrauchsanweisungen, die eher wie postmoderne Lyrik klingen, schon auch ärgerlich, in einigen Fällen aber durchaus nicht ohne Folgen bzw. sehr teuer. Man denke hier etwa an Übersetzungsfehler in Bedienungsanleitungen zu hochkomplexen Maschinen, aber auch an diplomatische Pannen… Daran zeigt sich umso mehr, dass kompetente und professionelle Übersetzer unersetzlich sind, da sie mehr tun, als systematisch Wörter von einer Sprache in die andere zu übertragen; sie sind vielmehr auch Sprachmittler und da Sprache auch immer mit der jeweiligen Kultur zusammenhängt, sollten sie ein Gespür für die kulturellen Nuancierungen der jeweiligen Sprache und die kulturellen Implikationen der Wörter entwickeln. Wer wirkliche gute Übersetzungen braucht, wendet sich am besten an einen Übersetzer oder ein professionelles Übersetzungsbüro. Autor Leopold Decloedt
| | | 01.10.2007 23:58:15 von |
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