Laut Gartner-Studie sucht eine steigende Anzahl der europäischen Unternehmer nach Möglichkeiten, von einem weltweiten Einkauf von Softwareentwicklungsdienstleistungen zu profitieren. In den letzten Jahren treten immer mehr Unternehmen in Nearshore-Outsourcing-Partnerschaften ein, indem sie Verträge mit Lieferanten aus Niedriglohnländern schließen,
die sich räumlich und zeitlich relativ nah befinden. Sie ziehen Nearshoring Offshoring vor, hauptsächlich für Vorteile, die mit kultureller, räumlicher, zeitlicher und sprachlicher Nachbarschaft verbunden sind.
Die Unternehmen, die sich für das langfristige Outsourcing als Mittel zur Befriedigung ihrer steigenden Bedürfnisse in der Softwareentwicklung interessieren, können dabei die folgenden drei alternativen Modelle berücksichtigen: projektbasiert, dediziertes Zentrum und firmeneigene Abteilung.
Einige Firmen, die ein typisches projektbasiertes Outsourcing für sich ungeeignet finden, können ein eigenes Team in attraktiven Nearshore-Orten (und zwar in den osteuropäischen Ländern) gründen und dort die Arbeit als ein Teil ihrer Aktivitäten ausführen. Jedoch hat dieses Modell greifbare Nachteile hinsichtlich der Risiken, Investitionen, Leistungsfähigkeit und organisatorischer Fragen. Deshalb können sich dies hauptsächlich größere Unternehmen und multinationale Korporationen leisten, die bereit sind, viel Geld zu investieren, ausgewogene Risiken einzugehen und notwendige Management-Ressourcen zuzuteilen. Aus dieser Sicht scheint ein dediziertes Entwicklungszentrum (DEZ) eine brauchbare Alternative für Unternehmen, die langfristiges Softwareoutsourcing benötigen, zu sein.
Das projektbasierte Modell wird als am passenden für die Entwicklung der eher großen und eindeutig definierten Anwendungen oder deren Module betrachtet. Alternativ ist das dedizierte Zentrum für Software mit sich ändernden Anforderungen, Wartung und Unterstützung von großen Systemen, für Untersuchung und Entwicklung, Testen sowie für andere komplexe Aufgaben geeignet. Das DEZ stellt kosteneffiziente Vollzeitarbeitskräfte zur Verfügung, die lediglich für eine längere Zeit an bestimmten Kundenprojekten arbeiten. Dies gilt als eine Ergänzung zum Kundenunternehmen in einem Nearshore-Land.
Im DEZ-Modell ist der Lieferant für die Bereitstellung notwendiger Entwicklungsmittel und die Gründung eines Teams von Softwareentwicklern zuständig, welche der Kundenmethodologie, dem Verfahren, Managementstil und sogar der Geschäftskultur entsprechen. Ein Nearshore-Partner übernimmt auch die Verwaltungsfunktionen, Betreuung der technischen und Büroinfrastruktur, Personalbesetzung, Leitung der Humanressourcen und sichert die Standards der Dienstleistungsversorgung.
Vorteile des dedizierten Nearshore-Entwicklungsmodells
-Mentale und räumliche Nähe
-Keine oder geringe Zeitverschiebung
-Keine langfristige Erstinvestitionen
-Vollständige Unternehmenssteuerung
-Verringerung der Geschäftsrisiken
-Schnelle Investitionsrückkehr
-Konsistentes und flexibles Team
-Günstige Stundensätze und flexible Preisbildung
-Schon vorhandene technische und Büroinfrastruktur
-Akkumulation der kundenspezifischen Kenntnisse über Geschäftsprozesse
-Jointventure und Build-Operate-Transfer-Modell
-Bereits Entwickelte Praktiken der Dienstleistungserbringung und Methodologie
Es gibt mehrere Optionen für das DEZ-Engagement je nach Kundenanforderung.
Das personalbasierte dedizierte Team ist wahrscheinlich das verbreiteste Modell unter den Kunden, welche schon über einige Outsourcing-Erfahrungen verfügen und beständige Offshore/Nearshore Lieferungspraktiken anwenden. In diesem Fall versogt der Lieferant nur mit notwendigen Mitteln und stellt ein Team zur Verfügung, das nur für dessen Kundenprojekte arbeitet (Der Kunde kontrolliert völlig den Betriebsprozess).
Einige Typen der dedizierten Zentren eignen sich für spezifischere Belange, die mit Technologie und den vertikalen Erfahrungen sowie dem Projektziel verbunden sind. Sie sind an spezielle Geschäftsmodelle angepasst. Der Begriff "Das spezifische DEZ" deckt folgendes ab: Produktentwicklungszentrum, Produktkompetenz- zentrum, Projektzentrum, Forschungs- und Entwicklungszentrum, Softwarewartungs- und Betreuungszentrum, Zentrum zur Anwendungsumarbeitung, Qualitätssicherungszentrum usw.
Das Jointventure DEZ kann als ein Übergang zur Gründung einer firmeninternen Abteilung am Nearshore-Standort betrachtet werden. Da es von beiden Lieferanten und Kunden gegründet wird, werden die Risiken verteilt und die Arbeitssteuerung/Berichterstattung verbessert.
Das "Build-Operate-Transfer"-Modell bedeutet grundsätzlich, dass ein Lieferant eine notwendige Infrastruktur bildet, das Personal einstellt, das dedizierte Zentrum für eine bestimmte Zeit gründet und leitet. Danach wird es dem Kunden völlig übertragen. Im Anfangsstadium legt der Lieferant technische Experten und Manager fest, welche den Kern der zukünftigen Organisation bilden, führt kundenspezifische Prozesse und Praktiken ein, übernimmt die Personalbeschaffung und Schulungen der Mitarbeiter. Im Übergangsstadium wird der Kunde zum Besitzer des eigenen stabilen Softwareentwicklungszentrums, ausgestattet mit richtigen Spezialisten und geführt unter nur unwesentlicher Leitung der Mutterfirma. Die Vorteile dieses Modells sind niedrigere Kosten für die allgemeine Infrastruktur und ein fertiges firmeneigenes Team von kompetenten Entwicklern.
Methodologie der Gründung eines dedizierten Nearshore-Entwicklungszentrums
Unten sind die wichtigsten Schritte hervorgehoben, welchen die meisten Softwarelieferanten üblicherweise folgen, um ein dediziertes Nearshore-Zentrum einzurichten und dessen optimale Arbeit nach den bestehenden Kundenpraktiken und Projektzielen zu organisieren.
-Bestimmung eines Kooperationsmodells
-Verhandlungen zur formellen Dienstgütevereinbarung (DGV)
-Gründung eines dedizierten Teams
-Einrichtung der technologischen und Firmeninfrastruktur
-Festsetzung der Kommunikationsmechanismen
-Wissensvermittlung (vor Ort Nearshore/Offshore)
-Ausrichtung an Kundenzielen/Anforderungen
-Schulung eines dedizierten Teams
-Projektumsetzung
-Überprüfung der Leistungen des DEZ und der DGV
-Implementierung des Feedbacks
Fallstudie:
Intellias – ein dediziertes Nearshore-Entwicklungszentrum für Pickaweb Internet Services
Pickaweb ist eines der führenden Hosting-und Webentwicklungs- unternehmen in Großbritannien, das eine komplette Dienstleistungs- palette für Web-basierte Firmen bietet.
Die Partnerschaft mit der Intellias GmbH ermöglichte Pickaweb das Dienstleistungsangebot zu erweitern und dadurch zusätzliches Einkommen zu erzielen und die Marktposition zu stärken.
Geschäftliche Herausforderung
2002 hatte Pickaweb Internet Services nur beschränkte Ressourcen in der Entwicklung und im Management und war nicht fähig, eine steigende Nachfrage nach Webdienstleistungen zu decken. Das Unternehmen musste also die meisten Kundenaufträge an einen Lieferanten outsourcen, dabei wollte es aber dass dieser vertrauensvoll war. Letzendlich beabsichtigte Pickaweb sowohl seine Marktposition zu stärken als auch seine Ressourcen für die Verwaltung der Outsourcing-Beziehungen zu minimieren.
Lösung – dediziertes Nearshore-Zentrum
Pickaweb hat einen einjährigen Vertrag mit der Intellias GmbH abgeschlossen und dadurch ein dediziertes Entwicklungszentrum in der Ukraine gegründet. Am Anfang der Partnerschaft wurden kleinere Projekte umgesetzt. in Konsequenz hat Pickaweb die höchste technische und geschäftsführende Kompetenz seitens des dedizierten Intellias Teams erfahren. Die Partnerbeziehungen wuchsen von einem Projekt alle 6 Wochen zu einem Projekt pro Woche.
Nach einigen Überlegungen, wurde beschlossen den einjährigen Dienstleistungsvertrag zu verlängern. Intellias wurde zum exklusiven technischen Partner für das Webdesign und die Entwicklung. Seitdem arbeitet das dedizierte Team von Intellias’ Entwicklern im Namen von Pickaweb und kommuniziert mit den Endkunden per E-Mail, Instant Messengers oder Telefon. Die Unternehmenskunden würden nie vermuten, dass ihre Projekte im Outsourcing-Entwicklungszentrum in der Ukraine realisiert werden.
"Wir sind mit den guten Leistungen vom Intellias’ Team und unserer Partnerschaft durchaus zufrieden. Seit Jahren demonstriert Intellias hervorragende Ergebnisse und erweist sich als ein Nearshore-Partner, auf welchen wir uns verlassen können. Mit ihrer Kompetenz übertreffen ihre Lösungen die Qualitätsstandards, indem erstklassige Ergebnisse rechtzeitig an Kunden geliefert werden," – sagt Antony Messer, Geschäftsführer Pickaweb Internet Services.
Partnervorteile für Pickaweb
-Zusätzliches Einkommen aus Webdesign- und Entwicklungsdienstleistungen
-Verstärkung der Marktposition im Webentwicklungssektor
-Erfahrung des dedizierten Intellias’ Teams, das für Pickawebs Endkunden arbeitet
-Verteilung von Management-Ressourcen
-Möglichkeit größere Projekte zu erhalten
-Zuweisung von freien Ressourcen für Kernaktivitäten