Mittels so genannter Wahrsagekarten ist ein Kartenleger in der Lage, anhand von deren Kombinationen nicht nur die Zukunft sondern auch die Gegenwart und Vergangenheit einer Person zu erfassen. Die Kartenbilder symbolisieren hierbei das Unterbewusste und Verborgene.Das Kartenlegen hat eine alte Tradition und findet seinen Ursprung in China mit der Erfindung des Holztafeldrucks im 7. Jahrhundert. Sukzessive verwendete man dort Spielkarten als Wahrsagekarten. Erst Mitte des 15. Jahrhunderts hielten Wahrsagekarten in Europa Einzug, durch Zigeuner und andere fahrende Völker, bei denen Kartenlegen zur Jahrmarktsattraktion wurde.
Eine große Popularität erfuhr das Kartenlegen im 18. Jahrhundert. Insbesondere in Frankreich mit dem gesellschaftlichen Aufstieg der berühmten Wahrsagerin Marie Anne Lenormand wurde das Kartenlegen bei Staatsoberhäuptern Frankreichs unentbehrlich.
Marie Anne Lenormand beriet u.a. Robespierre und Marat, denen sie beide einen gewaltsamen Tod vorausgesagt haben soll, sowie Josephine, Alexander den Ersten und Napoleon Bonaparte, der sie wiederholt wegen Hochverrats inhaftieren ließ, wenn sie ihm negative Zukunftsprognosen überbrachte. Die sah schließlich seinen Fall bei Waterloo und seine Verbannung nach Elba aus ihren Karten.
Diese Karten, die Madame Lenormand damals benutzte, gelten als verschollen und haben nichts mehr mit den heute nach ihr benannten Lenormandkarten gemeinsam. Sowohl die Anzahl der Karten, damals sollen es um die 60 Karten gewesen sein, von denen im heutigen Kartendeck nur noch 36 vorhanden sind, als auch die Symbole auf den Karten sind grundverschieden.
Die Lenormandkarten sind heute bei Kartenlegern und Kunden die am meisten gefragten Wahrsagekarten. Dies mag überraschen, denn der Tarot, den eine Mehrheit der Bevölkerung mit dem Wahrsagen und Kartenlegen in Verbindung bringt, ist eher für die Zukunftsdeutung ungeeignet und wird schon aufgrund seiner Symbolik von vielen Kunden verschmäht. Die Deutung von Tarot erfolgt meistens in kleineren Legesystemen und bietet hervorragende Entscheidungshilfen.
Eine weitere berühmte Kartenlegerin ihrer Zeit war Susanne Kipper, die um 1870 die nach ihr benannten Kipperkarten entworfen hat. Ursprünglich benutzte auch sie die Lenormand- und Zigeunerkarten, deren Wissen um die Deutung sie von einer Zigeunerfamilie erworben hatte. Sie fiel nach ihrem Umzug von Berlin nach Bayern dort aufgrund ihrer Kontakte zu Zigeunern schnell in Ungnade.
Nach dem deutsch-französischen Krieg, aufgrund ihrer Abneigung gegen die Franzosen, verweigerte sie die weitere Arbeit mit den Lenormandkarten und entwickelte daraufhin ihr eigenes Kartendeck, die Kipperkarten im Biedermeierstil.
Es gibt heute eine große Vielfalt an Wahrsagekarten. Die Kartendecks, die heute am meisten verwendet werden, sind die Lenormandkarten, die Kipperkarten, die Zigeuner-Wahrsagekarten, Skat und Tarot. Besonders unter den Tarotkarten findet man sehr große Modifizierungen, die dann Tarot der weisen Frauen, Hexen- oder Elfentarot genannt werden.
Die Karten werden anhand von Legesystemen gelegt und im Kontext gedeutet. Kartenlegen kann heute nicht nur mittels persönlichem Kontakt, sondern auch telefonisch. Kartenlegen über das Telefon erfordert beim Kartenleger eine höhere Intuition. Meistens wird diese durch langjähriges intensives Kartenlegen sowie durch Weiterbildung in verschiedene Energie- und Healingformen, wie z.B. Reiki oder Full Spectrum Healing ausgebildet und geschult.
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