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Vor gut 60 Jahren
veröffentlichte ein östereichischer Kinderarzt eine Beschreibung
vierer Jungen, die in verschiedener Hinsicht ungewöhnlich waren:
sie redeten wie "kleine Professoren", hatten spezielle Interessensgebiete,
über die sie sehr viel wussten, gleichzeitig aber Schwierigkeiten,
ein "normales" Gespräch zu führen oder sich die Schuhe zu binden.
Sie waren körperlich und sozial ungeschickt, aber teilweise sehr
intelligent. "Autistische Psychopathen" nannte der Arzt Hans Asperger
sie, der, nebenbei gesagt, selbst vieles mit ihnen gemeinsam hatte.
Der Begriff Psychopathen war damals noch nicht so negativ belegt
wie heute. Jahrzehntelang blieb seine Arbeit weitestgehend unbekannt;
als Autismus bekannt wurde die Beschreibung Leo Kanners, die fast
zeitgleich zu der von Asperger geschrieben worden war, jedoch unabhängig
davon und ohne vom jeweils anderen zu wissen. Erst 1980 entdeckte
die britische Psychologin Lorna Wing die Arbeiten von Hans Asperger
wieder, fasste die Beschreibung aus einer klinischen Sichtweise
neu und benannte es, dem Erstbeschreiber Hans Asperger zu Ehren,
"Asperger-Syndrom".
Das Asperger-Syndrom wird als ein Teil des Autismus-Kontinuums verstanden,
so wie auch High-Functioning-Autismus.
Mehr als sechzig Jahre nach der ersten Beschreibung des Asperger-Syndroms
kommen jetzt zwei Filme ins Kino, die sich mit dem Asperger-Syndrom
und High-Functioning-Autismus beschäftigen: "Snow Cake" aus Großbritannien
und "Mozart and the Whale" aus den USA. Vielleicht trägt das dazu
bei, diesen Teil des Autismus-Kontinuums bekannter zu machen.
Juri Unglaub
monday_ (at) web.de
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