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Über Hunde und ihre Sicht der Welt

Hunde und ihre Menschen bewohnen das gleiche Haus, bewegen sich draußen in der gleichen Umgebung und sie treffen die gleichen Menschen, Hunde und anderen Tiere. Da kann es doch eigentlich nur ganz einfach sein, zu erraten, was ein Hund gerade wahrnimmt und erlebt, oder? In Wahrheit ist es aber ganz anders, denn Hunde nehmen ihre Umgebung auf eine ganz andere Art wahr als wir Menschen. Das liegt unter anderem an der anderen Gewichtung der einzelnen Sinnesorgane bei der Orientierung in ihrem Lebensraum. Wir sind darauf ausgerichtet, in erster Linie alles nach dem zu beurteilen, was wir sehen können. Erst danach folgen die Eindrücke des Gehörs und ganz zum Schluss die Gerüche, die unsere Nase aufnimmt. Ganz anders unsere Hunde: sie erfahren ihre Welt in erster Linie durch die Gerüche, die sie enthält. Nicht nur das Futter erkennen Hunde am Geruch, auch ihre Bezugspersonen und andere Hunde unterscheiden sie an dem ganz spezifischen individuellen Eigengeruch, die Gegenstände, Pflanzen, Steine, den typischen Geruch einer Gegend, kurz: alles, was zu ihrem Lebensraum gehört, hinterlässt ein „Geruchsbild" im Gehirn eines Hundes. Darüber hinaus haben Gerüche eine wichtige Funktion im sozialen Leben unserer Hunde. Wir sehen einen Hundehaufen und sagen vielleicht: „Ekelhaft!". Im Gegensatz dazu sehen unsere Hunde den Hundehaufen meist erst nachdem sie ihn längst gerochen haben. Und der Geruch zieht sie sofort an. Denn ein Hundehaufen enthält für andere Hunde diverse Informationen. Sie erkennen, wer der Erzeuger war, wenn es ein Bekannter ist. Sie wissen, wie lange es her ist, dass er hier vorbei kam. Sie erkennen, ob ein fremder Häufchen-Setzer ein Rüde oder eine Hündin war. Und sicher auch noch vieles andere über den Artgenossen, wir wissen sicher nicht alles, was so ein Häufchen einem anderen Hund verraten kann. Darüber hinaus ist das Gehör unseres besten Freundes ganz unvergleichlich feiner als das unsere. Hunde hören Geräusche, die unsereins gar nicht registriert und können zwischen dem Gehörten daher auch viel feiner differenzieren. Was das Sehen betrifft, kann man sagen, dass es bei Hunden ganz unterschiedlich ausgeprägt ist. Es gibt Hunde, für die das Sehen wirklich eine ganz untergeordnete Rolle spielt, aber auch ausgesprochene Augenhunde. Beispielsweise Windhunde oder manche nordischen Jagdhunde sind ganz besonders auf das Sehen ausgerichtet. Auch sehen die meisten Hunde kleinste Nuancen in den Bewegungen und in der Körperhaltung ihre Menschen und reagieren darauf. Aus all diesem kann man leicht erkennen, dass viele Missverständnisse aus den Unterschieden im Erleben der Welt entstehen können, wenn es um Wahrnehmungen im täglichen Leben geht und um die Reaktionen, die daraus folgen. Darum ist es wichtig, sich unter anderem diese Dinge klar zu machen, wenn man bei der Hundeerziehung erfolgreich sein möchte.

Autor: Eckbert Heinenberg
Email: eheinenberg@t-online.de

01.11.2007 20:01:05 von algarvio
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