Wie oft nehmen sich Menschen Folgendes oder Ähnliches vor? Ab kommenden Sonntag werde ich regelmäßig ins Fitnessstudio gehen. Wer kennt sie nicht, die berühmte Montagdiät? Haben Sie auch schon den Vorsatz gehabt, im nächsten Urlaub sicher zu entspannen und nicht schon wieder ein hochriskantes Abenteuer zu starten? Möchten Sie auch dann irgendwann, in der Pension etwas für Ihre Gesundheit tun? Das Aufschieben kann sich auf viele Bereiche beziehen, auf das Sortieren von Unterlagen, auf die Steuererklärung, auf das Fensterputzen oder auf das Aufarbeiten von schon längst fälligen anderen Arbeiten. Alle Menschen, die etwas wirklich Wichtiges immer wieder aufschieben, haben Vieles gemeinsam. Erstens haben sie immer „gute“ Gründe für ihr Verhalten, zweitens sind sie sich des Fehlers, den sie machen, bewusst und unzufrieden darüber, drittens möchten sie gerne etwas daran ändern, viertens liegen die Gründe immer außerhalb ihres Einflussbereiches, bzw. sie übernehmen nicht die Verantwortung für das, was sie nicht rechtzeitig tun.
Wenn es sich um Gesundheit, Ernährung, Bewegungsmangel handelt so sind auch viele Menschen vom Aufschieben betroffen, die nicht zu den ca. 20 % der „echten Aufschieber“ gehören. Was unterscheidet diese Aufschieber von den anderen? Diejenigen, die ihren Lebensstil ändern möchten und dies immer wieder verschieben, wissen, dass es sich nicht um eine einmalige Aktion handelt, mit der man die unangenehme Angelegenheit hinter sich gebracht hat, sondern um eine konsequente Veränderung des persönlichen Lebensstils. Veränderungen, die jeden Tag des Lebens bestimmen werden.
Warum aber sollten gerade diese Veränderungen keinen Aufschub erlauben? Wenn Sie sich nicht in der Gegenwart um Ihre Gesundheit kümmern, werden Sie keine gesunde Zukunft haben. Übergewicht, Untergewicht, Magersucht, Diabetes und vieles mehr haben bis zu 80 Prozent mit Ihrem gesunden oder eben krankmachenden Lebensstil zu tun, für den Sie sich selbst entscheiden.
Um dem Aufschieben Herr zu werden, gibt es einige Möglichkeiten. Ganz allgemein gesagt ist Belohnung immer besser als Bestrafung, die kommt durch das Aufschieben sowieso von selbst. Man muss genug Motivation sammeln, um zu beginnen. Diese Motivation sollte man nicht außen suchen. Sich nicht sagen, ich fange an: morgen, in einem Monat, im nächsten Urlaub, in der Pension, sobald ich einen Freund gefunden habe, der beim Fitnesstraining mitmacht, sobald eine Freundin mit mir zusammen z. B. die Tibet-Diät beginnt, sobald ich einen Job habe, für den es sich auszahlt, ein paar Kilo abzunehmen und ähnliches mehr. Das alles sind nicht die richtigen Motivationen, weil sie die Abhängigkeit von außen unterstützen. Die einzig gültige Motivation ist, ich fange jetzt gleich an, meine Ernährung umzustellen, Sport zu betreiben, den Stress einzuschränken, weil ich das für mich tun will.
Diesem Wollen, keinem Müssen, keinem Sollen, keinem Dürfen, sondern ausschließlich dem eigenen Willen die wesentlichen Aktionen für die eigene Gesundheit unterzuordnen und diesem eigenen Willen, somit der Selbstverantwortung die oberste Priorität zu geben, ist der erste Schritt aus der Abhängigkeit des Aufschiebens.
Autor: Dr. Heike Edith Sunder-Plassmann