Das ehemalige Benediktinerkloster Reichenbach im Landkreis Cham im vorderen Bayerischen Wald war eines der bedeutensten Klöster in der Oberpfalz. Schor vor weitem zeigt es sich als wehrhafte Anlage aus dem Mittelalter. Dieser Eindruck wird noch durch die Lage auf einer Anhöhe (die auf drei Seiten steil abfällt) über dem Regen verstärkt. Die vierte Seite wird durch einen Halsgraben geschützt.Gegründet wurde das Kloster 1118 durch Markgraf Dieplod II. von Cham-Vohburg. Besiedelt wurde das Kloster durch das hirsauische Reformkloster Kastl. Die Vogtei über das Kloster ging 1204 an die Wittelsbacher, 1329 an deren pfäzische Linie (daher der Name des heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz) über.
Was man von einem Kloster im Bayerischen Wald gar nicht vermutet hätte: Im ausklingenden Mittelalter entwickelte sich in Reichenbach zu einem wissenschaftlichen Zentrum. Astronomie, Mathematik und Kartographie standen hoch im Kurs. Extra für die Sternenbeobachtung wurde ein „astronomischer Turm“ errichtet, der heute selbst als Stumpf noch 12 Meter in die Höhe ragt.
1556 wurde das Kloster im Zuge der Reformation aufgehoben. Die (Ober-)Pfälzer Kurfürsten waren die Anführer der protestantischen Seite. Die Gegenreformation brachte zuerst die Jesuiten, dann die Benedektiner nach Reichenbach. 1805 erfolgte die Säkularisation und das Kloster wurde zum zweiten Mal aufgelöst.
1890 wurde die Anlage von den Barmherzigen Brüdern aus Regensburg übernommen und wird seither als Pflegeanstalt und behindertenwerkstatt genutzt. Brände in den jahren 1897 und 1959 beschädigten die Anlage stark.
Die Romanische Bausubstanz der ehemaligen Klosterkirche und heutigen katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist weitgehend gut erhalten. Im Inneren finden sich bedeutende Grabdenkmäler des Mittelalters, u.a. von der Stifterfamilie.
Reichenbach sollte auf dem Besichtigungsplan jedes Oberpfalz-Besuchers stehen. Hotels und Ferienwohnungen im vorderen Bayerischen Wald sind recht preiswert und daher auch für Familienurlaub bestens geeignet.