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Artikel » Kunst & Kultur Barock, Religion und Emotion | Das siebzehnte Jahrhundert wird allgemein mit dem Barockzeitalter gleichgesetzt. In Italien allerdings manifestierte sich das Empfinden des Barocken bereits im sechzehnten Jahrhundert während in den südamerikanischen Kolonialstaaten und auch in Deutschland die bedeutendsten Leitungen des Barock sich erst im achtzehnten Jahrhundert einstellten. In Deutschland gilt Dresden als die Barockstadt und August der Starke als die Verkörperung des barocken Herrscherideals in Deutschland. Gerade in der Person dieses Königs und im Bau des Dresdner Zwingers treffen sich all die Wiedersprüche dieses Zeitalters. Von maßvoller Haltung kann man weder in der Politik noch im Städtebau und in der Architektur des Zeitalters sprechen. Das Barockzeitlater ist stilistisch sehr komplex und zugleich sogar in einzelnen Erscheinen von Wiedersprüchen durchsetzt. Im Allgemeinen geht es in der Kunst wie in der Alltagskultur des Barock darum den Menschen in klar umrissenen Affekten zu zeigen. Insofern bringt alles Barocke immer zugleich auch das Bühnenhafte mit sich. Heinrich Wölfflin hat 1888 in seinem epochemachenden Werk ’Renaissance und Barock’ durch vergleichendes Studien der auf Idealisierung der Wirklichkeit gerichteten Empfindungswelt der Renaissance der auf Emotionen und Affekte ausgerichtete Wahrnehmungswelt des Barock gegenübergestellt. Viel begetragen zur Ausformulierung von Gefühlszuständen haben die Jesuiten mit Ihren religiösen Dramen. Das erste Theaterstück in einem Jesuitenkolleg ist aus dem Jahr 1551 überliefert. Hundert Jahre später gab es bereits nahezu 300 solcher Kollegs, die jährlich mindestens ein Stück aufführten. Meist handelte es sich um Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, die überaus dramatisch und auf die Affekte gerichtet aufgeführt wurden. Diese Darstellungen wurden auf den Straßen von Rome Sevilla, Córdoba, Innsbruck, Wien, Ingolstadt und München nachgespielt. Bildhauer, Maler und Schriftsteller wurden durch die in diesen Stücken dargestellten Seelenzuständen zu eigenständigen Werken angeregt.
| | | 03.06.2007 17:33:46 von |
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