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Artikel » Kunst & Kultur

Die Geschichte der Bildgebäcke

Wie auch die bekannteren Spekulatius sind die Springerle Bildgebäcke - traditionelle Plätzchen aus Eierschaumteig, speziell zur Weihnachtszeit. Dieses Kunsthandwerk ist weit verbreitet im Süden Deutschlands, der Schweiz, Ungarn aber auch im Osten von Frankreich.
Der Name Springerle wurzelt hörbar in Schwaben – man ist sich aber nicht sicher, ob er von einem uralten Motiv, einem Reiter (Springer) kommt, oder, was wahrscheinlicher ist, diese Benennung daher stammt, dass diese Bildgebäcke beim Backen in die Höhe gehen. Man kann dabei zusehen, wie der Teig im Ofen leicht auf die doppelte Höhe anwächst, man sagt, er bekommt „Füßle“.
Der spezielle Teig für die Springerle wird aus Zutaten wie Eiern, Puderzucker, Mehl und körnigem Stern-Anis hergestellt. Als Treibmittel verwendet man Hirschhornsalz. Die unterschiedlichsten Rezepte für die Herstellung von Springerles findet man in gängigen Rezeptbüchern, aber auch die Online-Recherche liefert schon vernünftige Ergebnisse.
Die Backmasse muss feinstkörnig und leicht formbar sein, damit auch filigranste Details aus der Form abgebildet werden. Die Plätzchen müssen vor dem Backen ungefähr einen Tag antrocknen. In diesem Zeitraum härtet das Bild aus und verändert sich so beim eigentlichen Backvorgang selber nicht mehr. Das abgeformte Motiv bläht sich dank der Festigkeit, die der Teig durch die Trocknung erhalten hat nicht auf, die durchaus gewünschten Füßle bilden sich. Im Gegensatz zum Lebkuchen-Model sind die Springerle-Model nicht ganz so tief herausgearbeitet. Damit wird die komplette Durchtrocknung der Bildgebäcke sichergestellt.
Historisch kann man die Springerle Model bis weit ins Mittelalter zurückverfolgen. Ursprünglich christliche Motive wurden in Stein oder Keramik gearbeitet, um das Gebäck mit immer neuen Bildern zu verzieren. Später wurden eher biblische Überlieferungen oder kirchliche Symbole angefertigt. Noch heute sind weihnachtlichen und österlichen Motive sehr beliebt.
Mit einer erstarkenden Bürgerschicht setzten sich ab dem 18. Jahrhundert mehr und mehr die weltlichen Motive durch. Thematisiert wurden Glück, Liebe, Mode und Familienwappen. Diese finden in zahlreichen Formen ihren Ausdruck. Springerle wurden oft zu großen festlichen Anlässen wie Geburtstag, Verlobung und Hochzeit oder einfach als Werbung verschenkt.
Mit der zunehmenden Produktion von Massenwaren durch die Industrialisierung und der abnehmenden Bereitschaft, sehr viel Zeit in die Herstellung von solch aufwändigem Gebäck zu investieren, geht die Beliebtheit der Springerle seit dem 20. Jahrhundert stark zurück.
Das heutzutage übliche Grundmaterial für den Modelstecher ist das Holz der Birne. Es ist hart, splittert wenig und seine Fasern richten sich nicht auf, wenn es mit Wasser in Berührung kommt. So können auch die feinsten Ausschmückungen auf dem Plätzchen abgebildet werden.
Das Anfertigen von Model gehörte lange Zeit zum Handwerk der Konditoren – später entwickelte sich aufgrund des erhöhten Bedarfs durch die wachsende Beliebtheit der Formen ein eigenständiger Berufszweig daraus. So zogen manche Modelstecher in die Häuser ihrer Auftraggeber ein und residierten dort für Kost und Logis solange, bis alle Aufträge abgearbeitet waren. Anschließend zog weiter zum nächsten Ort.
Die meisten Model der Gegenwart werden leider unter Zuhilfenahme von Kopiereinrichtungen hergestellt, später wird ihnen durch wenige meist stümperhafte Einkerbungen von Hand das zweifelhafte Prädikat „Handarbeit“ verliehen. Doch wird durch diese wenigen Schnitte das insgesamt sehr grobe Bild nicht wesentlich verbessert.
Durch die einmalige Anfertigung jedes Model bei DUKASI entstehen ausschließlich Originale, die sich von anderen Herstellern durch das aufgeprägte Brandzeichen unterscheiden. Jedes Motiv entsteht nur ein einziges Mal im Holz, was den Wert der kompletten Handarbeit sichert.
Es gibt nur noch wenige Model-Stecher, die vereinzelt auf Kunsthandwerkermärkten ihr feinstes Handwerk demonstrieren und dort ihre fein geschnitzten Formen verkaufen.


07.06.2007 14:37:38 von dukasi
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