Nach der Beschreibung sollte der Weg zum spektakulären Natures Window angeblich teilweise asphaltiert sein. Diese phantastischen Felsenformationen, die dann in der Abendsonne mit dem roten und bräunlichen Verfärbungen sehr attraktiv fast mit lila Tönen zu den weißen Querstreifen im Sandstein kontrastieren, werden mit Recht als die spektakulärste Ansicht der Kalbarri in Australien bezeichnet. Man hat dort reichlich fossile Ablagerungen gefunden, die bis zu ersten Lebensformen zurück reichen.Bald erreichten wir den Parkplatz. Dort saß ein älterer Mann, der offensichtlich weinte. Über den Parkplatz rannte eine völlig konfuse Frau, klinkte an verschlossen Autotüren und kam, als wir ausstiegen, zu uns gerannt. Sie fragte, ob wir ein Getränk bei uns hätten. Wir bejahten. Dann erzählte die Frau, dass am Wanderweg beim Natures Window die Ehefrau des Mannes, und dabei zeigte sie auf den weinenden Mann am Rastunterstand, abgestürzt sei. Sie liege jetzt schon über zwei Stunden dort und habe nichts zu trinken. Meine Frage, ob Polizei oder Ambulanz benachrichtigt ist, beantwortete sie mit einem Wortschwall in Australoenglisch. Ich verstand nur Bahnhof. Also gingen wir erst einmal die Abgestürzte suchen.
Fren, wie die Dame hieß, wäre vom Weg nicht zu sehen, würde aber auf Zuruf antworten. Ich ging den Steg mit kontinuierlichen „Fren! Where are you“ Rufen abwärts. Da hörte ich unter mir eine schwache Stimme. „Here! I’m here!“ Ich beugte mich, nachdem ich mich flach hingelegt hatte, über den Wegrand. Mann, hatte die Schwein gehabt. Sie war abgerutscht und in die einzige durch Felsengebüsch geschützte Kuhle an dem Steilhang gefallen. Nur etwa 1,50 Meter unter mir, aber von hier aus nicht zu sehen. Sie nickte, als ich sie fragte, ob sie aufstehen könne. Und das tat sie dann auch. Ich fühlte ihren Puls. Etwas schnell und sehr flach. Die Rettung gestaltete sich dann doch problematisch. Hinunter in die Aushöhlung wollte ich nicht. Ich war unsicher, ob das Gestein zwei Personen halten würde. Also planten wir ein Herausklettern in Etappen, mit Hilfe von oben.
Da kam schon eine größere Menge Leute vom Parkplatz herunter, die Fren kannten, sie umarmten und ihr ein feuchtes kaltes Handtuch in den Nacken legten. Die Menge übernahm Fren. Meine Frau und ich gingen wieder hinunter zum Plateau. Hinter mir hörte ich Fren rufen, dass ich warten soll. Ich drehte mich um, sie kam auf mich zu. Seitdem kann ich stolz behaupten, dass ich im Beisein meiner Frau und mit deren Zustimmung von einer Australierin freiwillig geküsst wurde.
Was da wirklich alles geschah? Sie können es in meinem Australien Reisebericht „Und immer weiter zur Sonne“ nachlesen.
Dieter Tischendorf
www.ditido.de